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Neues aus Ghana

Autor: Luise | Datum: 09 Oktober 2012, 19:36 | Kommentare deaktiviert

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Momentan fahre ich 3 bis 4 Mal die Woche in die Kekeli Schule, um entweder mit einer Lehrerin namens Bertha zusammen den Unterricht ihrer ersten Klasse zu gestalten oder um mich alleine als Lehrerin zu behaupten, was im Moment häufiger vorkommt, da ihr Sohn krank ist. Keiner der Ärzte bei dem sie bis jetzt mit ihm war, konnte ihr sagen, was ihr Sohn genau hat und da sie als alleinerziehende Mutter von vier Kindern nachmittags keine Zeit hat, fährt sie während ihrer Arbeitszeit mit ihrem Ältesten von Krankenaus zu Krankenhaus. Dann muss mal wieder „sister Luise“ einspringen, die ihr bestes dafür tut um von den Schülern akzeptiert zu werden, auch ohne dass sie sie mit dem Stock schlägt. Das läuft mal besser und mal schlechter. Aber so langsam habe ich meine eigenen Methoden gefunden, um eine einigermaßen ruhige Atmosphäre im Klassenraum zu schaffen. Ich habe mich auch noch nicht so ganz an das ghanaische Schulsystem gewöhnen können, was größtenteils aus Vorsagen und monotonem Nachplappern besteht. Wobei die Kinder zwar nach zehnfachem Wiederholen wissen, dass „s“ für snake, „a“ für ant und „t“ für tennis steht, aber keinesfalls das Wort „sat“ lesen können, wenn man die Papptafeln mit s-a-t hintereinander gehalten werden. So versuche ich jetzt mit dem Alphabet von vorne zu starten, dass zwar alle flüssig aufsagen, schreiben, so wie singen können, aber nicht wissen, welchen Klang die einzelnen Buchstaben haben und hoffe, dass ich den Kindern irgendwie das lesen beibringen kann. Ich muss immer aufpassen, dass ich nicht zu kompliziert denke, wenn ich die Aufgaben für den Unterricht vorbereite, weil die Schüler sehr stark auf Frontalunterricht gepolt sind und der Fokus nicht auf selbstständiges Arbeiten gelenkt wird, was mir aus dem mir bekannten deutschen Schulsystem so sehr präsent ist. Dazu kommt, dass viele der Kinder zu Hause Ewe (eine der ghanaischen Sprachen) sprechen und da sie Englisch nur in der Schule lernen noch nicht über einen so großen Wortschatz verfügen.

Vor dem Unterricht müssen sich die Schüler alle vor der Schule zur „Morning Assembly“ in Reihen aufstellen, um das Vater Unser aufzusagen, ihrem Vaterland Ghana die Treue zu schwören und um zum Rhythmus der Trommeln marschierend Lieder zu singen, wie „The best book to read is the Bible, if you read it every day, it will lead you in your way. The best book to read is the Bible“.

Mittags gibt es von der Köchin zubereitetes ghanaisches Essen, wie Fufu, was ein breiartiger Kloos ist mit dem man die Suppe oder Soße, die es dazu gibt mit der Hand isst. Es ist immer sehr amüsant für die anderen Lehrerinnen, wenn ich versuche mit Hilfe des Fufus die Suppe in meinen Mund zu befördern, aber so langsam werde ich besser darin.

Am Samstag waren wir bei der Hochzeit von Godwin und seiner Frau Mawuse, welche in der E.P. Church stattgefunden hat, in die wir sonntags auch immer zum Gottesdienst gehen. Diesmal war die Kirche aber mit Kunstblumen, Tüchern und Torbögen für das Brautpaar geschmückt. Godwin ist hinter dem Chor zusammen mit den Pastoren eingezogen. In einem zweiten Zug wurde Mawuse dann von ihrem Vater an ihren zukünftigen Mann übergeben. Der Hochzeitsmarsch, der mir von deutschen Hochzeiten so bekannt ist, wurde gespielt und auch die groben Abläufe, so wie das Übergeben der Ringe und das gegenseitige Jasagen sind nicht von der mir bekannten Hochzeitszeremonie abgewichen. Aber ansonsten war es, ich sage mal nicht so statisch und unruhiger als bei einer Hochzeit, wie ich sie bis jetzt kennen gelernt habe. Es wurde getanzt, gesungen und Spenden gesammelt, das Brautpaar hat die standesamtlichen Verträge in der Kirche unterzeichnet, es gab einen Beamer mit Leinwand, auf der im Wechsel eine Powerpoint-Präsentation mit den Namen des Brautpaars und die Liedtexte gezeigt wurden, dem Brautpaar wurde ständig mit einem Tuch im Gesicht rumgetupft und eine Schaar von fotografierenden und filmenden Leuten hat jeden Ablauf und jede Bewegung festgehalten, indem sie wie Paparazzi um das zu trauende Paar rumgeschwirrt sind, sodass kaum ein anderer in der Kirche etwas sehen konnte.

Wir, als die Weißen, wurden mal wieder als Ehrengäste behandelt und wurden aufgefordert in einer der ersten Reihen Platz zu nehmen und somit saßen wir gleich hinter den Familien des Brautpaars. Als das erste Foto nach der Trauung vor der Kirche gemacht wurde, wurden wir gleich mit auf das Bild gerufen und beim anschließenden Essen wurden wir auch vorgelassen, damit wir nicht so lange auf unser Essen warten müssen.

Die anschließende Feier fand in einem Saal statt, in dem Stuhlreihen für die Gäste und ein großer Tisch auf einer Bühne für das Brautpaar aufgebaut waren. Neben Tanz- und Gesangseinlagen von Jugendgruppen oder einzelnen Personen, wurden wir von einem jungen Ghanaern durch das Programm geführt, der so laut in das Mikrofon gesprochen hat, als hätte er vergessen, dass es an ist und als würde er versuchen mit seinem natürlichen Stimmvolumen auch noch die Gäste ganz hinten im Saal zu erreichen. Als es dann irgendwann zu einem Stromausfall kam, wurde unseren Ohren eine Regenerierungsphase gegönnt, da wir mal wieder in der zweiten Reihe sitzend die Zeit direkt vor den Boxen verbracht hatten, aus denen dröhnend die Stimme des Moderators auf uns eingeprasselt war. Auch wenn bei der anschließenden Feier fast nur die Bekannten, Freunde und Familie des frischen Ehepaares anwesend waren, war es für meinen Geschmack nicht familiär genug. Das Brautpaar war auf der Bühne sitzend abgeschnitten von ihren Gästen und auch die Gäste unter sich konnten nicht wirklich ins Gespräch kommen, weil man in den angeordneten Reihen saß und es bei den ständig durch die Boxen schallenden Stimmen von verschiedenen Rednern auch viel zu laut war. Selbst während des Essens hat der Moderator sein Programm weiter durchgezogen und die verschiedenen Ehrengäste auf der Feier vorgestellt.  Neben einigen wichtigen Personen der Kirche wurden zu unserer Verwunderung unter dieser Kategorie auch Vertreter von Telefonanbietern und der Leiter des Elektrizitätswerks genannt, was auf allgemeine Begeisterung stieß.

Nachdem durch den Stromausfall die Mikrofone und die Musik des DJs ausgefallen waren, wurde mit Trommeln und Gesang weiter Musik gemacht. Da habe ich mich dann auch mal getraut mich den jungen Gästen anzuschließen, um zu tanzen, was auf große Belustigung stoß. Schnell war eine Schaar von lachenden Mädchen um mich herum, die mich aufforderten mit ihnen oder ihnen nach zu tanzen. Danach wurde die Feier ziemlich abrupt beendet und während einige noch am Tanzen waren und sich auch das Brautpaar gerade erst zum Gehen bewegte, wurde schon die Dekoration von den Wänden gerissen und der Saal angefangen aufzuräumen. Dadurch, dass das Paar auf der Bühne saß, hatte man leider auch nicht die Möglichkeit Ihnen persönlich zu gratulieren, was ich sehr schade fand.

Wie so viele Leute wollten auch die Mädchen mit denen ich getanzt habe wissen, wo wir wohnen und ob sie meine Freundinnen sein können. Abgesehen von einigen Leuten, die meine Handynummer oder Geld von mir haben wollten oder Kindern die einem „Jewu“ (Weiße) hinterherrufen, habe ich bis jetzt erst einen indirekten Heiratsantrag bekommen. Der Schulleiter der Kekeli International School meinte, dass ich doch nach meinem Studium wieder nach Ghana kommen solle und dann könne ich ihn heiraten und eine Lehrerin an seiner Schule sein. Naja, wir werden sehen!

So viel erst mal wieder von mir! Die allerbesten Gruesse aus Ghana, eure Luise.

 

Dank an den Taxifahrer

Autor: Luise | Datum: 29 September 2012, 17:51 | Kommentare deaktiviert

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Es scheint sich doch schwieriger zu gestalten an Internet zu kommen als gedacht. Das Internet Café, das wir gefunden haben, konnte nicht genutzt werden, weil entweder Stromausfall war, wir während der Schauer der Regenzeit das Haus nicht verlassen wollten oder das Internet aus irgendeinem anderen Grund nicht funktionierte. Also hier dann schließlich mein erster Blogeintrag, der durch das Voranschreiten der Tage, während des Wartens auf Internet doch um einiges länger geworden ist als geplant. Also viel Spaß an die Lesefreudigen unter euch (:

Die letzte Nacht auf deutschem Boden habe ich in der WG meiner Schwester in Hamburg verbracht. Nachdem wir uns drei verschiedene Wecker gestellt hatten, um auf keinen Fall zu verschlafen, sind wir müde in die Betten gefallen. Als wir um 5 Uhr von einem Klingeln wach wurden, war es aber keinesfalls einer unserer Wecker, sondern der Taxifahrer, der sich wunderte, warum im ganzen Haus kein Licht an war und sich fragte, ob wir vielleicht verschlafen hätten. Somit sind wir dann schlagartig aus den Betten, in unsere Klamotten und schließlich in das Taxi gesprungen. Verwundert darüber, dass keiner der Wecker angegangen war und belustigt über die für uns doch so typische Situation sind wir lachend zum Flughafen gefahren. Tausend Dank an dieser Stelle an den netten Taxifahrer, der mich davor gerettet hat den Flieger zu verpassen und dem ich es somit verdanke jetzt hier sitzen zu können.

Es ist total schwierig für mich gewesen die richtigen Worte zum Abschied zu finden – viel zu irreal und zu unbegreiflich ist die Tatsache, dass man sich ein halbes Jahr nicht sehen wird. Nachdem ich erstaunlicherweise bei keinem der Abschiede geweint hatte, liefen mir beim Abflug dann doch die ersten Tränen runter und trotzdem konnte ich nicht realisieren, was es für mich bedeutete in diesem Flugzeug Richtung Ghana zu sitzen. 

Nach einem vierstündigen Zwischenstopp in Istanbul bin ich, nun zusammen mit Maike und Augustin, in den Flieger Richtung Accra, der Hauptstadt von Ghana, gestiegen. Glücklich darüber, dass nicht nur wir sondern auch unser gesamtes Gepäck – zwar vollständig, aber offensichtlich durchwühlt-  den Weg nach Ghana gefunden hatte, sind wir schließlich in Accra aus dem Flughafen getreten. Wir  wurden am Ausgang schon von Mitarbeitern der Evangelical Presbyterian Church (E.P. Church) erwartet, welche uns für die Nacht in ein Guest House gebracht haben. Die erste Dusche erfolgte mit geschöpftem Wasser aus einem großen Wasserbehälter, da im gesamten Haus kein Wasser lief, was nicht weiter schlimm war uns jedoch noch nicht mal einen Toilettengang ermöglichte.

Mit der Ansage, dass wir am nächsten Morgen früh aufstehen würden, konnten wir nicht wirklich was anfangen und somit stellten wir unsere Wecker vorsichtshalber auf 6 Uhr. Es stellte sich dann heraus, dass mit der Ankündigung früh nach Ho aufzubrechen gute zwei Stunden später gemeint waren. Auf der Fahrt zu unserem neuen Zuhause für die kommenden Monate bekamen wir erste Eindrücke des Landes, zwar nur durch die Autofenster, aber somit ließ sich ansatzweise erahnen, wie unser Zielort aussehen würde.

Nach der ersten Nacht in unserer Wohnung auf dem Gelände der E.P. Church sind wir das erste Mal zur Morning Devotion gegangen, die ich als schönen Start in den Tag empfunden habe. Die Andacht war sehr interessant, da die Kirchenmitglieder mit in die Predigt einbezogen wurde, indem nach dem vorgelesenen Bibelvers Gedanken dazu gesammelt wurden, was man aus der Erzählung lernen kann und wie dies auf den Alltag zu beziehen ist. Bei den Liedern, die auf Ewe gesungen wurden, trällerten wir einfach irgendwie mit. Anschließend wurden wir, neben ein paar weiteren Mitarbeitern der E.P. Church, unserem Hautansprechpartner Godwin vorgesellt.

Da wir bis dahin noch kein Geld abgehoben hatten und somit auch kein Essen kaufen konnten, hatten wir vor der Morning Devotion nur die Reste unseres Flugzeugessens geteilt. Reichlich hungrig sind wir dann mit Sebastian, einem Fahrer der E.P. Church, der uns auch von Accra nach Ho gebracht hatte, zum Markt gefahren. Neben lauter Lebensmitteln und neuen ghanaischen SIM-Karten für unsere Handys sind wir auch noch mit einem erworbenen Fahrrad zurückgekehrt und waren seelig nach dem Einkauf uns endlich unser eigenes Essen zubereiten zu können. Bis dahin hatten wir alle Strecken in einem Auto zurückgelegt und somit  sind wir nachmittags zum ersten Mal zu Fuß losgezogen. Ein Student, der auch auf dem Gelände der E.P. Church wohnt, hat uns begleitet und uns den Kern der Stadt gezeigt. Sodass wir uns einen Tag drauf alleine auf den Weg zum Einkauf  gemacht haben. Mit dem Verhandeln der Preise hat es noch nicht so geklappt, wie wir es uns gewünscht hatten, aber wir sind mit dem zurückgekehrt, was wir für unser abendliches Kochen gebraucht haben. Beim ersten Stromausfall saßen wir mit montierten Taschenlampen und Dank den mitgebrachten Kerzen gemütlich um den Tisch, um unser Essen vorzubereiten.

Nachdem ich die ersten Nächte auf Grund der vielen ungewohnten nächtlichen Geräusche unruhig verbracht hatte, sind mir schließlich die aus dem Flugzeug mitgenommene Schlafbrille und die Ohrstöpsel eingefallen, mit denen ich am folgenden Abend zufrieden eingeschlafen bin.

Wir wurden von Godwin schon zu einigen Grundschulen und Kindergärten gebracht, die für uns mögliche Tätigkeitsbereiche darstellen. Auf Grund der ghanaischen Gemütlichkeit und bezüglich der Erfahrungsberichte der ehemaligen Freiwilligen hatten wir damit gerechnet, dass es noch etwas Zeit kosten würde bis wir bei den ersten Stellen vorgestellt werden würden. Die restlichen Projekte werden uns dann aber doch eher „soon“ vorgestellt. Es scheint, als wäre das die genauste Zeitangabe, die Godwin machen kann. Von daher bin ich dann selbstständig zu einer Grundschule mit Kindergarten gegangen, die auf mich einen guten ersten Eindruck gemacht hat. Eigentlich hatte ich mit dem Schulleiter ausgemacht, dass ich zunächst im Unterricht zugucken würde. Als ich aber an meinem zweiten Tag an der Kekeli International School ankam, eröffnete mir der Schulleiter, dass eine Lehrerin auf einer Konferenz sei und setzte mich einer ersten Klasse mit der Erklärung vor, dass dies für den heutigen Tag meine Klasse sei. Völlig unvorbereitet habe ich dann zwei Stunden lang mein Bestes getan meinem neuen Titel als „teacher“ gerecht zu werden – von Matheaufgaben, über stille Post mit Vokabeln bis hin zu Hausaufgabenkontrolle. Ich bin gespannt, was mich Montag erwarten wird.

Heute Morgen sind wir um 4 Uhr im Dunkeln aufgestanden, um dem Vorschlag eines Gemeindemitglieds nach zu kommen und einen Berg hier in Ho zu besteigen. Auf halben Weg zur Spitze wurde es zwar hell, aber die Sonne hat es nicht durch die Wolken durch zu brechen, stattdessen bot sich uns ein fabelhafter Ausblick auf eine halb von Nebel verschleierte Stadt. Begleitet von einem plötzlichen Regen und zahlreichen Joggern, die die frische Morgenluft genutzt haben, haben wir uns auf den Rückweg gemacht und sind nach 3 Stunden müde, aber glücklich über besonderen Tagesbeginn in unsere Wohnung zurückgekehrt.

Godwin hat uns zu seiner Verlobung eingeladen und somit bekommen wir nächsten Samstag die einzigartige Gelegenheit an einer ghanaischen Hochzeit teilzunehmen.

So viel erst mal von mir. Ich hoffe euch geht es allen gut.

Allerliebste Grüße, eure Luise.

 

Aufbruchsstimmung

Autor: Luise | Datum: 14 September 2012, 21:51 | Kommentare deaktiviert

In weniger als 12 Stunden werde ich am Hamburger Flughafen in den Flieger Richtung Ghana steigen. Die Koffer sind gepackt & stehen bereit und trotzdem habe ich das ständige Gefühl irgendwas vergessen zu haben. Meine Lieben habe ich alle noch einmal gedrückt, aber realisiert habe ich es immer noch nicht, dass das jetzt die letzten Umarmungen für ein halbes Jahr waren. 

Mit einer Mischung aus Schwermut und Vorfreude werde ich wohl morgen den Flieger besteigen und die Reise in das mir derzeitig Ungewisse antreten.

Auf Wiedersehen ihr Lieben! 

 

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