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Ein kleiner Zwischenbericht aus Ho

Autor: Luise | Datum: 22 November 2012, 13:36 | Kommentare deaktiviert

So langsam läuft ein neues Projekt nach dem anderen an und mein Wochenplan füllt sich mit Tätigkeiten und es entwickelt sich eine Struktur.

Die Tage, an denen ich in meiner ersten Klasse an der Kekeli Schule unterrichte, haben sich jetzt auf zwei Tage in der Woche verkürzt und die übrigen Tage haben sich mit einem Bibliotheks- und Leseprojekt, sowie mit einem Straßenkinderprojekt gefüllt. Jeden Dienstag gehe ich mit zwei Kartons voller Bücher in die Kpodzi Grundschule der E.P. Church und die Schüler können sich für eine Woche Bücher ausleihen. Dafür müssen sie einen Pfand in Form von Geld dalassen, den sie wiederbekommen, wenn das Buch unversehrt zurückgebracht wird.  In der gleichen Schule beginnt diese Woche auch mein Leseprojekt, bei dem ich in den Klassen 3-5 leseschwache Schüler in kleinen Gruppen während des Englischunterrichts aus den Klassenräumen holen und mit ihnen lesen üben werde.

Beim Straßenkinderprojekt war ich, zusammen mit Augustin, letzte Woche schon zwei Mal. In Deme, einem kleinen Vorort von Ho, wurde vor vier Jahren ein Haus dafür gebaut, in dem Toiletten, ein „Büroraum“ mit Kochstelle und ein großer Raum untergebracht sind, in dem eine Tischtennisplatte und mehrere Tische mit Bänken stehen. Vor dem Gebäude ist ein abschüssiger Hang, auf dem wir mit den Kindern bei unserem ersten Besuch Fußball gespielt haben. Neben dem Gebäude werden Pflanzen angebaut, die zusammen mit den Kindern gepflanzt wurden und geerntet werden.

Als wir letzten Mittwoch zum zweiten Mal nach Deme gefahren sind, hat es wie aus Eimern gegossen und somit ist Lydia, die Leiterin des Projekts, nicht erschienen. Die Kinder hat das Weltuntergangswetter aber nicht davon abgehalten trotzdem zu kommen und somit haben wir mit ihnen auf der Terrasse mit einer kleinen Kugel gekickt, bis uns von einem Mann aus dem Dorf der Raum aufgeschlossen wurde. Während Augustin von ein paar der Kinder in das Dickicht hinterm Haus entführt wurde, habe ich die letzten Erinnerungen an meine Trommelstunden während meiner Kindergartenzeit rausgekramt und mit den übrigen Kindern getrommelt. Während des Trommellärms habe ich erst gar nicht mitbekommen, dass eines der Kinder gestürzt war und sich den Fuß blutig geschlagen hatte. Der Mann, der uns aufgeschlossen hatte, konnte sich trotz seiner vernehmbaren Alkoholfahne, aber noch an seine Naturheilkunde erinnern und hat sich kurzerhand Blätter eines Kasawa-Baumes in den Mund gesteckt, diese ordentlich durchgekaut und anschließend auf die doch relativ tiefe Wunde gepresst. Aus einem Stück Stoff wurde ein improvisierter Verband gebastelt. Mit dem kleinen Jungen auf Augustins Schultern und dem Rest der Kinder an meinen Armen klebend, haben wir uns auf den Weg gemacht, um unseren Verletzten zu Hause abzuliefern.

Am Ende dieses Nachmittages machten wir uns nicht mehr nur als Augustin und Luise auf den Weg nach Hause, sondern auch mit dem von den Kindern gegebenen Titel als Mama und Papa.

Am letzten Wochenende packte Augustin und mich die Abenteuerlust und wir machten uns auf den Weg zu einem Tier Reservoir. Als wir nach einer guten Stunde unser Ziel schon erreicht hatten, wurde uns schnell klar, dass aus dem geplanten Wochenendausflug, dann doch eher ein Tagesausflug werden sollte. Unser Erscheinen im Camp des Reservoirs schien den dort wohnenden Förster zu überraschen. Trotzdem schnappte er sich kurzerhand sein Gewehr und schmiss sich in sein grünes Hemd und die dazu passenden Gummistiefel. Unser Gepäck haben wir noch schnell in ein angesichts der Spinnenweben im Türrahmen offensichtlich für längere Zeit ungenutztes Zimmer gebracht und schon sind wir losgestapft. Über Trampelpfade sind wir anderthalb Stunden hinter dem bewaffneten Förster hinterher gelaufen und teils geschlichen, wenn raschelnde Geräusche aus dem Gebüsch zu vernehmen waren.

 

 

Auf Grund des Gewehres erhofften wir uns irgendwelche wilden Tiere zu Gesicht zu bekommen. Aber selbst als wir an einer Wasserstelle für einige Zeit ausharrten, konnten wir nur lautes Knacken im Gestrüpp und Geschreie von Affen in den Baumkronen hören, bekamen aber leider keines der Tiere, die zu diesen Geräuschen gehörten, zu sehen.

Da wir schlauerweise nicht auf den Tipp unseres Reiseführers gehört hatten uns Essen, geschweige denn irgendwas zu Trinken mitzunehmen, machten wir uns in der Mittagshitze auf eine kleine Wanderschaft Richtung nächst gelegenem Dorf auf. Mit einem Stock als Wanderstab und einem großen Blatt als Kopfbedeckung bewaffnet, kamen wir ordentlich fertig in Abutia Kloe an. Nachdem wir uns mit mehreren Litern gekühltem Wasser eingedeckt hatten und uns einiges an Essen zur Stärkung gekauft hatten, sind wir mit einem Motorrad-Taxi zurück ins Camp. Die frittierten Yam-Streifen, die in etwa so schmecken wie riesen Pommes, wurden mit Bohnen in einer ziemlich scharfen Tomaten-Chilli-Soße und zusammen mit Reis und Nudeln mit einer ähnlich scharfen Beilage mit den Händen genüsslich von uns verspeist. Die Kokosnuss habe ich als Nachtisch auf dem Steinboden zerschlagen und mit dem in allen Situationen nützlichen Schweizer Taschenmesser ausgehöhlt.

Die Nacht verbrachten wir in dem Camp, welches außer uns, dem Förster und seiner Familie leer war. Zum Duschen bekamen wir zwei Eimer Wasser und als Toilette diente der umliegende Urwald.

Nachdem wir am nächsten Morgen schon um 7 Uhr wieder wach waren, eine Rückfahrt nach Ho uns angesichts unseres geplanten Wochenendausfluges

ernüchternd vorkam, aber eine Weiterreise sich auch nicht gelohnt hätte, musste ein neuer Plan her. Dieser Notfallplan war schnell gefunden und wir waren sofort begeistert von unserer Idee, den Weg zurück nach Ho einfach zu laufen.

Im Laufe unserer knapp vierstündigen Wanderung durch vereinzelte Dörfer und die Landschaft der Volta Region haben wir rund vier Liter Wasser getrunken, aber auch mindestens genauso viel auch wieder verloren. Ein paar Kilometer vor unserem Ziel haben uns die Kräfte dann doch verlassen und wir sind den Rest der Strecke mit einem Taxi gefahren, bevor wir wegen eines Hitzeschlages oder Sonnenstichs umgekommen wären.

 

Weitere Bilder vom Ausflug in das Kalakpa Tierreservoir, so wie von Schülern meiner ersten Klasse findet ihr in meinen Fotoalben. Lohnenswert ist auch immer ein Blick in die Fotoalben von Augustin. Viel Spaß dabei!

Allerliebste Grüße, eure Luise.