VEM-Freiwillige   2017/2018   2016   2015   2014   2013   2012   2011   2010   2009 

Alena | Anne | Annika | Augustin | Freddy | Janina | Lars | Lena K | Lena S | Luise | Maike | Manuel | Maren | Mona | Nele | Sebastian | Viola | Wiebke | Yasha

Menu:

Archiv

Blog durchsuchen:

Bilder vom Ausflug nach Cape Coast

Autor: Luise | Datum: 31 Oktober 2012, 16:36 | Kommentare deaktiviert

 Ich konnte die Bilder aus irgendeinem Grund nicht in mein Album tun, von daher habe ich es jetzt so versucht, damit wenigstens irgendwie neue Bilder von mir zu sehen sind. Liebe Gruesse an euch alle! Eure Luise

 

Aus dem Leben in Ho

Autor: Luise | Datum: 22 Oktober 2012, 19:02 | Kommentare deaktiviert

Mir fehlen meine wöchentlichen Trainingseinheiten hier echt und zusätzlich hat mich meine Langeweile vom Rumsitzen vor ein paar Tagen dazu animiert loszumarschieren und noch mal zur Spitze des Berges zu laufen, auf der wir im Morgengrauen schon mal gewesen sind. Diesmal bin ich aber in der Mittagshitze losgelaufen und war somit sehr froh über meinen Hut, Wasser und ein bisschen Melone, die ich auf meine knapp 3-stündige Wanderschaft mitgenommen hatte. Trotzdem bin ich völlig fertig von der Hitze wieder in unserer Wohnung angekommen. Wenn man sich bewegen will, muss man am besten um 5 Uhr aufstehen, dann beginnt hier der Tag für die Ghanaer eigentlich sowieso. Ganz ungewohnt für mich, die als Abiturientin in den letzten Monaten nicht vor dem Mittag daran gedacht hat sich aus ihrem Bett zu bewegen. Ich habe mich inzwischen aber auch schon ein paar Mal so früh aus dem Bett gequält, um joggen zu gehen. An den anderen Tagen geht es für mich aber eigentlich auch nicht sehr viel später los, da ich entweder um 8 Uhr in der Schule bin oder an den Tagen, an denen ich nicht unterrichte zur selben Zeit zur Morning Devotion gehe. Viel länger könnte man auch eigentlich gar nicht schlafen, weil es erstens relativ früh schon ziemlich heiß wird, der Hahn ab 6 Uhr regelmäßig kräht oder man von Musik geweckt wird. Da es ab 18 Uhr draußen stockduster ist, bewegt man sich aber auch relativ früh Richtung Bett.

Am Samstag vor zwei Wochen habe ich mich  auch um 7Uhr auf den Weg zu meiner Schule gemacht, diesmal aber nicht um zu unterrichten, sondern um ein paar der Schüler zu einer Radio Station zu begleiten, bei der sie auf Sendung waren. Die ganze Woche zuvor wurde morgens mit den Kindern geübt und Reime, Lieder und Geschichten einstudiert, die sie in der Radiosendung präsentiert haben. Spontan wurde ich neben den anderen beiden Lehrern auch gebeten etwas zu sagen und so habe ich mich vorgestellt und Ghana einen schönen guten Morgen gewünscht.

Letzte Woche waren wir bei Lydia eingeladen, welche nicht nur unsere Nachbarin ist, sondern auch eine wichtige Rolle in der E.P. Church spielt. Wir hatten es eigentlich so verstanden, dass wir mit ihr zusammen ghanaisches Essen kochen, aber als wir zu ihr rüber gegangen sind, war das Essen bereits fertig und wir wurden in das Wohn- und Esszimmer gebracht, wo wir dann zu unserer steigenden Verwunderung alleine gegessen haben. Wir hatten zwar schon vorher davon gehört, dass die Frau, die gekocht hat nicht mit einem mitisst, sondern danach die Mahlzeit zu sich nimmt und trotzdem war es ein unangenehmes Gefühl sich bewirten zu lassen, sich nach dem Essen noch kurz zu bedanken, dann aber auch wieder zu gehen.

Als uns der Bewegungsdrang gepackt hat, haben wir letzte Woche einen Fußball gekauft. Es fing auf dem Weg vom Laden zum Fußballplatz mal wieder kräftig an zu regnen, was uns zu der Belustigung von einigen Ghanaern nicht abgehalten hat den Weg zum Feld fortzusetzten und auch im Regen Fußball zu spielen. Wenn es hier anfängt zu regnen sind die Straßen immer schlagartig leergefegt und es findet bis der Regen endet nichts mehr auf den Straßen statt. Als der Regen aufgehört hatte, sind dann auch rasch einige neugierige Schüler auf den Fußballplatz gekommen. Und schon waren wir wieder umlagert von auf Ewe plappernden Leuten, die sich ganz selbstverständlich unseren Ball genommen haben und damit spielten. Ein Junge von ihnen hat uns auf Deutsch angesprochen und nachdem er sehr viel mehr sagen konnte, als uns zu grüßen und uns zu fragen wie es uns geht, wurden wir doch sehr neugierig, woher er so unfassbar gut Deutsch sprechen kann. Er hat uns erzählt, dass er im letzten Jahr für 10 Monate, wie es der Zufall will, in Syke bei Bremen in einer Gastfamilie gelebt hat. Wie klein die Welt doch sein kann.

Wir teilen uns mit einer Familie, die in der anderen Wohnung in diesem Haus wohnt, die Stromkosten und hier muss man Geld auf eine Karte tun und diese in einen Apparat stecken, damit der Strom läuft. Wenn das Guthaben alle ist, fängt dieser Apparat in einer unangenehm hohen Frequenz an zu piepen. Glücklicherweise befindet sich diese Anlage genau an der Außenwand meines Zimmers und das Piepen setzte vorgestern mitten in der Nacht ein. Daraufhin habe ich mir versucht Ohrstöpsel in die Ohren zu stopfen, was leider das Piepen nicht wirklich ersticken konnte. Ich konnte leider nichts tun, um das Piepen zu stoppen. Die Karte war bei unseren Nachbarn und davon abgesehen war es Nacht und somit hatte kein Geschäft auf, in dem man die Karte hätte aufladen können. Da ist mir ein richtiger Stromausfall doch willkommener, da ist zwar auch manch mal stundenlang alles duster, aber man wird nicht durch ein monotones Piepen um den Schlaf gebracht.

Am Wochenende haben wir uns auf den Weg an die Küste Ghanas gemacht. Ganz den ghanaischen Zeitberechnungen angepasst, haben wir das Haus um halb 5 Uhr verlassen, um ‘pünktlich‘  eine halbe Stunde später am Busbahnhof anzukommen, um den Bus zu besteigen, der um halb 5 Uhr losfahren sollte. Dieser hat uns nach Accra gebracht, wo wir dann in einen weiteren, kleineren Bus umgestiegen sind, welcher uns zu unserem Ziel nach Cape Coast gebracht hat. In diesem Bus war hinter dem Fahrer ein kleiner Bildschirm angebracht, auf welchem die Fahrt über ein ghanaischer Film lief und welcher bei jedem Schlagloch in der Straße vom Fahrer festgehalten werden musste. Den Film haben wir leider auf Grund unserer nicht vorhandenen Ewe-Kenntnisse nicht verstanden. Er schien aber den Reaktionen der übrigen Fahrgäste zufolge ziemlich amüsant gewesen zu sein. An den Maut-Stationen oder wann immer der Bus staubedingt halten musste, wurde aus den Fenstern raus bei den Straßenhändlern alles von Wasser, über Bananen-Chips bis hin zu Handguthaben-Karten gekauft. Dazu zogen die weiblichen Mitreisenden ihr zugeknotetes Stofftaschentuch aus dem BH, in welchem sich ihr Geld befand.

Nach einer siebenstündigen Fahrt haben wir unser Ziel Cape Coast erreicht. Am Nachmittag haben wir uns noch gleich auf den Weg durch die Stadt an den Strand gemacht, an dem wir von einer imposanten und kraftvollen Brandung erwartet wurden. Auch an diesem Ort haben uns die Kinder hinterhergerufen, allerdings wird an der Küste eine andere ghanaische Landessprache gesprochen als bei uns in der Volta Region und wir somit haben wir uns zunächst gar nicht angesprochen gefühlt, als uns auf dieser Sprache zugerufen wurde. Als wir am Sonntag aus dem Tro-Tro (Kleinbusse, welche als Sammeltaxen genutzt werden) in Ho gestiegen sind und wir wieder unser altbekanntes „Jewu“-Gerufe der Kinder wahrgenommen haben, fühlte es sich so an als würden wir wieder zu Hause sein. Als kurz danach dann auch noch der Strom ausfiel, wussten wir dass wir wieder im uns bekannten Ho waren.

Liebste Gruesse aus Ho, eure Luise.

Normal 0 false false false EN-US X-NONE X-NONE

 

Neues aus Ghana

Autor: Luise | Datum: 09 Oktober 2012, 19:36 | Kommentare deaktiviert

Normal 0 false false false EN-US X-NONE X-NONE

Momentan fahre ich 3 bis 4 Mal die Woche in die Kekeli Schule, um entweder mit einer Lehrerin namens Bertha zusammen den Unterricht ihrer ersten Klasse zu gestalten oder um mich alleine als Lehrerin zu behaupten, was im Moment häufiger vorkommt, da ihr Sohn krank ist. Keiner der Ärzte bei dem sie bis jetzt mit ihm war, konnte ihr sagen, was ihr Sohn genau hat und da sie als alleinerziehende Mutter von vier Kindern nachmittags keine Zeit hat, fährt sie während ihrer Arbeitszeit mit ihrem Ältesten von Krankenaus zu Krankenhaus. Dann muss mal wieder „sister Luise“ einspringen, die ihr bestes dafür tut um von den Schülern akzeptiert zu werden, auch ohne dass sie sie mit dem Stock schlägt. Das läuft mal besser und mal schlechter. Aber so langsam habe ich meine eigenen Methoden gefunden, um eine einigermaßen ruhige Atmosphäre im Klassenraum zu schaffen. Ich habe mich auch noch nicht so ganz an das ghanaische Schulsystem gewöhnen können, was größtenteils aus Vorsagen und monotonem Nachplappern besteht. Wobei die Kinder zwar nach zehnfachem Wiederholen wissen, dass „s“ für snake, „a“ für ant und „t“ für tennis steht, aber keinesfalls das Wort „sat“ lesen können, wenn man die Papptafeln mit s-a-t hintereinander gehalten werden. So versuche ich jetzt mit dem Alphabet von vorne zu starten, dass zwar alle flüssig aufsagen, schreiben, so wie singen können, aber nicht wissen, welchen Klang die einzelnen Buchstaben haben und hoffe, dass ich den Kindern irgendwie das lesen beibringen kann. Ich muss immer aufpassen, dass ich nicht zu kompliziert denke, wenn ich die Aufgaben für den Unterricht vorbereite, weil die Schüler sehr stark auf Frontalunterricht gepolt sind und der Fokus nicht auf selbstständiges Arbeiten gelenkt wird, was mir aus dem mir bekannten deutschen Schulsystem so sehr präsent ist. Dazu kommt, dass viele der Kinder zu Hause Ewe (eine der ghanaischen Sprachen) sprechen und da sie Englisch nur in der Schule lernen noch nicht über einen so großen Wortschatz verfügen.

Vor dem Unterricht müssen sich die Schüler alle vor der Schule zur „Morning Assembly“ in Reihen aufstellen, um das Vater Unser aufzusagen, ihrem Vaterland Ghana die Treue zu schwören und um zum Rhythmus der Trommeln marschierend Lieder zu singen, wie „The best book to read is the Bible, if you read it every day, it will lead you in your way. The best book to read is the Bible“.

Mittags gibt es von der Köchin zubereitetes ghanaisches Essen, wie Fufu, was ein breiartiger Kloos ist mit dem man die Suppe oder Soße, die es dazu gibt mit der Hand isst. Es ist immer sehr amüsant für die anderen Lehrerinnen, wenn ich versuche mit Hilfe des Fufus die Suppe in meinen Mund zu befördern, aber so langsam werde ich besser darin.

Am Samstag waren wir bei der Hochzeit von Godwin und seiner Frau Mawuse, welche in der E.P. Church stattgefunden hat, in die wir sonntags auch immer zum Gottesdienst gehen. Diesmal war die Kirche aber mit Kunstblumen, Tüchern und Torbögen für das Brautpaar geschmückt. Godwin ist hinter dem Chor zusammen mit den Pastoren eingezogen. In einem zweiten Zug wurde Mawuse dann von ihrem Vater an ihren zukünftigen Mann übergeben. Der Hochzeitsmarsch, der mir von deutschen Hochzeiten so bekannt ist, wurde gespielt und auch die groben Abläufe, so wie das Übergeben der Ringe und das gegenseitige Jasagen sind nicht von der mir bekannten Hochzeitszeremonie abgewichen. Aber ansonsten war es, ich sage mal nicht so statisch und unruhiger als bei einer Hochzeit, wie ich sie bis jetzt kennen gelernt habe. Es wurde getanzt, gesungen und Spenden gesammelt, das Brautpaar hat die standesamtlichen Verträge in der Kirche unterzeichnet, es gab einen Beamer mit Leinwand, auf der im Wechsel eine Powerpoint-Präsentation mit den Namen des Brautpaars und die Liedtexte gezeigt wurden, dem Brautpaar wurde ständig mit einem Tuch im Gesicht rumgetupft und eine Schaar von fotografierenden und filmenden Leuten hat jeden Ablauf und jede Bewegung festgehalten, indem sie wie Paparazzi um das zu trauende Paar rumgeschwirrt sind, sodass kaum ein anderer in der Kirche etwas sehen konnte.

Wir, als die Weißen, wurden mal wieder als Ehrengäste behandelt und wurden aufgefordert in einer der ersten Reihen Platz zu nehmen und somit saßen wir gleich hinter den Familien des Brautpaars. Als das erste Foto nach der Trauung vor der Kirche gemacht wurde, wurden wir gleich mit auf das Bild gerufen und beim anschließenden Essen wurden wir auch vorgelassen, damit wir nicht so lange auf unser Essen warten müssen.

Die anschließende Feier fand in einem Saal statt, in dem Stuhlreihen für die Gäste und ein großer Tisch auf einer Bühne für das Brautpaar aufgebaut waren. Neben Tanz- und Gesangseinlagen von Jugendgruppen oder einzelnen Personen, wurden wir von einem jungen Ghanaern durch das Programm geführt, der so laut in das Mikrofon gesprochen hat, als hätte er vergessen, dass es an ist und als würde er versuchen mit seinem natürlichen Stimmvolumen auch noch die Gäste ganz hinten im Saal zu erreichen. Als es dann irgendwann zu einem Stromausfall kam, wurde unseren Ohren eine Regenerierungsphase gegönnt, da wir mal wieder in der zweiten Reihe sitzend die Zeit direkt vor den Boxen verbracht hatten, aus denen dröhnend die Stimme des Moderators auf uns eingeprasselt war. Auch wenn bei der anschließenden Feier fast nur die Bekannten, Freunde und Familie des frischen Ehepaares anwesend waren, war es für meinen Geschmack nicht familiär genug. Das Brautpaar war auf der Bühne sitzend abgeschnitten von ihren Gästen und auch die Gäste unter sich konnten nicht wirklich ins Gespräch kommen, weil man in den angeordneten Reihen saß und es bei den ständig durch die Boxen schallenden Stimmen von verschiedenen Rednern auch viel zu laut war. Selbst während des Essens hat der Moderator sein Programm weiter durchgezogen und die verschiedenen Ehrengäste auf der Feier vorgestellt.  Neben einigen wichtigen Personen der Kirche wurden zu unserer Verwunderung unter dieser Kategorie auch Vertreter von Telefonanbietern und der Leiter des Elektrizitätswerks genannt, was auf allgemeine Begeisterung stieß.

Nachdem durch den Stromausfall die Mikrofone und die Musik des DJs ausgefallen waren, wurde mit Trommeln und Gesang weiter Musik gemacht. Da habe ich mich dann auch mal getraut mich den jungen Gästen anzuschließen, um zu tanzen, was auf große Belustigung stoß. Schnell war eine Schaar von lachenden Mädchen um mich herum, die mich aufforderten mit ihnen oder ihnen nach zu tanzen. Danach wurde die Feier ziemlich abrupt beendet und während einige noch am Tanzen waren und sich auch das Brautpaar gerade erst zum Gehen bewegte, wurde schon die Dekoration von den Wänden gerissen und der Saal angefangen aufzuräumen. Dadurch, dass das Paar auf der Bühne saß, hatte man leider auch nicht die Möglichkeit Ihnen persönlich zu gratulieren, was ich sehr schade fand.

Wie so viele Leute wollten auch die Mädchen mit denen ich getanzt habe wissen, wo wir wohnen und ob sie meine Freundinnen sein können. Abgesehen von einigen Leuten, die meine Handynummer oder Geld von mir haben wollten oder Kindern die einem „Jewu“ (Weiße) hinterherrufen, habe ich bis jetzt erst einen indirekten Heiratsantrag bekommen. Der Schulleiter der Kekeli International School meinte, dass ich doch nach meinem Studium wieder nach Ghana kommen solle und dann könne ich ihn heiraten und eine Lehrerin an seiner Schule sein. Naja, wir werden sehen!

So viel erst mal wieder von mir! Die allerbesten Gruesse aus Ghana, eure Luise.